18.06.2018 | Forum für Dialogische Qualitätsentwicklung: 15.- 17.Mai 2019

„Der neue Autoritarismus in Erziehung, Bildung und Sozialer Arbeit und die Chancen fachlicher Alternativen“

15.- 17.Mai 2019  in Kassel

Wer geglaubt hatte, mit der Kritik an der „Schwarzen Pädagogik“ in den 1960er und 1970er Jahren, seien Strafe und Repression, Misshandlung und Gewalt in Erziehung, Bildung und Sozialer Arbeit überwunden worden, hat sich getäuscht.

Bereits in den Anfangsjahren des neuen Jahrhunderts wurden wir mit breiten Kampagnen konfrontiert, die erneut Strenge und Disziplin, Strafe und Konfrontation in der Familienerziehung wie in der pädagogischen Fachpraxis propagierten.

Diese Entwicklung hat sich im Zuge dramatischer technisch-wissenschaftlicher und sozioökonomischer
Veränderungsprozesse mit der Herausbildung neuer struktureller Unsicherheitsverhältnisse inzwischen noch verstärkt. So sind nicht nur in den zurückgeschnittenen wohlfahrtsstaatlichen Unterstützungssystemen Sanktionsmaßnahmen an der Tagesordnung, sondern auch in der Kindertageserziehung, in der Schule und in ambulanten und stationären Einrichtungen der öffentlichen und freigemeinnützigen Kinder- und Jugendhilfe
macht sich ein neuer Autoritarismus breit. Insbesondere werden benachteiligte Kinder und Jugendliche mit konfliktreichen Lebensgeschichten mit ausgrenzenden, aggressiven Regel-, Zwangs- und Strafsystemen bearbeitet,
um Anpassung an vorgegebene Ordnungen zu erzwingen. Dabei werden immer wieder Menschen- und Grundrechte von Kindern und Jugendlichen verletzt, was aber im wissenschaftlichen und fachpolitischen Diskurs
viel zu wenig kritisch in den Blick genommen wird. So können in der Praxis mittlerweile bedenkenlos immer häufiger instrumentelle Behandlungskonzepte des sog. „Stufen-Vollzugs“ oder pädagogischer „Phasen-Modelle“ umgesetzt werden, die – inspiriert von den Bootcamps in den USA und behavioristischen Dressurexperimenten – auf entwürdigende und stigmatisierende Degradierungsprozessehinauslaufen, auch wenn findige Professionelle für deren Bezeichnung ständig neue Vokabeln erfinden.

Die alten Formen einer schwarzen Pädagogik gibt es in abgewandelter, verschleierter und elaborierter Form heute noch und es gibt sie in zunehmendem Maße. So werden schon Kinder in Tagesgruppen wütend zurecht gewiesen
und rigide diszipliniert, wenn sie sich den normativen Anforderungen der Institution nicht unterwerfen. Und im Vokabular der konfrontativen Pädagogik heißen Arrest-Zellen jetzt einfach „Time-out-Räume“, werden Knebelungen nurmehr „Begrenzungen“ genannt, um sie auf diese verschleiernde Weise zu legitimieren. Immer öfter geraten Fachkräfte in das Fahrwasser eines autoritären Risiko und Sicherheitsmanagements.

Auf dem Forum 2019 in Kassel wollen wir diese Entwicklungen genauer untersuchen und kritisch in Frage stellen.

Wir wollen zugleich Wege solidarischer Erziehung, Bildung und sozialer Hilfepraxis erschließen.

Termin: 15.-17.05.2019

Tagungsort: Anthroposophisches Zentrum, Wilhelmshöher Allee 261, 34131 Kassel-Wilhelmshöhe

Programm herunterladen: PDF

Anmeldung: HIER

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